 |
Hauptmenü |
|
 |
Internes |
|
|
Deutscher Tanzpreis »ZUKUNFT« 2007
Marian Walter
Die Verleihung des Deutschen Tanzpreises an Marian Walter fand am 28. April 2007 im Aalto Theater Essen statt. Die Laudatio hielt Dr. Iris-Jana Magdowski (Vizepräsidentin der Kulturpolitischen Gesellschaft).
Der Lebenslauf
Wer bei dem Vornamen Marian eine Engländerin erwartet, liegt falsch. Marian Walter ist ein deutscher Mann, am 24.9.1981 in Suhl/Thüringen geboren. Ab 1992 besuchte er die Staatliche Ballettschule Berlin, die er im Jahr 2000 als Staatlich geprüfter Bühnentänzer abschloss. Unmittelbar nach der Ausbildung wurde er vom Bayerischen Staatsballett München engagiert, 2002 wechselte er zum Ballett der Staatsoper Unter den Linden nach Berlin. 2003 war er bereits Halbsolist, ein weiteres Jahr später Solist. Seit März 2005 ist Marian Walter mit seiner ukrainischen Kollegin Iana Salenko, ebenfalls Solistin im Ballett der Staatsoper, verheiratet.
Für sein Alter hat er ein umfangreiches Repertoire vorzuweisen: In Vladimir Malakhovs »Cinderella« ist er vom Feen-Begleiter zum Star-Tänzer und Prinzen aufgestiegen, in dessen »Dornröschen« tanzt er den Pas de deux Prinzessin Florine, in Malakhovs »Die Bajadère« den Goldenen Gott und das Fakir-Solo. Siegfried als Kind verkörperte er in Maurice Béjarts »Ring um den Ring«, in Patrice Barts »Schwanensee« wirkte er ebenso mit wie in dessen »Der Nussknacker«. In Ray Barras »Schneekönigin« tanzte er den Goldenen Prinzen. In zwei Werken von Angelin Preljocajs war er zu sehen, in »Le Parc« und in »Le Sacre du printemps«, außerdem tanzte er in Choreographien von Jirí Kylián (»Sinfonie in D«), Boris Eifman (»Tschaikowsky«) und George Balanchine (»Tschaikowsky-Pas-de-deux«).
Marian Walter wurde im »ballett-tanz«-Jahrbuch 2006 gleich von drei Berliner Journalisten (Michaela Schlagenwerth, Manuel Brug und Volkmar Draeger) als »Beachtlicher Nachwuchstänzer« gewählt, Klaus Geitel bescheinigte ihm in einer Kritik vom Mai 2006 gar den »waschechten Prinzen aus dem Ballettmärchen«.
Zu seinen Auszeichnungen gehören der 1. Preis beim Tanzcontest in Wien und der jeweils 3. Platz beim Internationalen Ballettwettbewerb in Helsinki und im japanischen Nagoya. (Dagmar Fischer)
Der Text der Ehrenurkunde
Der Deutsche Tanzpreis »Zukunft« 2007 wird dem Tänzer Marian Walter verliehen.
Hervorgegangen aus der Staatlichen Ballettschule Berlin, hat er sich in kurzer Zeit aus einem unscheinbaren zurückhaltenden jungen Tänzer, versehen mit einer brillanten, überzeugenden tänzerischen Technik und Begabung, zu einem strahlenden Prinzen entwickelt, der mit den unterschiedlichsten Rollen im Staatsballett Berlin unter seinem Mentor Vladimir Malakhov zu einer tragenden Erscheinung geworden ist.
Verliehen zu Essen am Samstag, dem 28. April 2007
Die Laudatio von Dr. Iris-Jana Magdowski
Die nonverbale Sprache des Tanzes hat bereits in eindrucksvoller Weise die Begründung für die Verleihung des Deutschen Tanzpreises »Zukunft« an Katja Wünsche, Marian Walter und Terence Kohler geliefert. In Worte zu fassen, was die Sinne begeistert, ist schwierig und gelingt dem Kulturpolitiker, wenn er nicht gerade Norbert Lammert heißt, nur äußerst selten. Doch die Verleihung des Deutschen Tanzpreises seit nunmehr 24 Jahren und die Verleihung des Tanzpreises »Zukunft«, der seit drei Jahren in Zusammenarbeit mit der Tanzstiftung Birgit Keil vergeben wird, ist eben nicht nur ein kultureller Veranstaltungshöhepunkt in Essen, im Ruhrgebiet, in der Kulturhauptstadt Europas 2010, sondern zugleich kulturpolitische Botschaft.
Mit dem Deutschen Tanzpreis wird eine Auszeichnung von Tanzschaffenden an Tanzschaffende von hohem Rang überreicht – so die offizielle Begründung 1983. Der Tanzpreis »Zukunft« baut auf dieser Tradition auf. Er ist zugleich das kulturpolitische Bekenntnis zum Tanz als einer selbstständigen, herausragenden Gattung der darstellenden Kunst, die grenzüberschreitend mit immensem schöpferischen Gestaltungswillen das Neue sucht, Traditionen wertschätzt und weiterentwickelt.
Natürlich stehen im ersten Teil der Gala die jungen künstlerischen Talente im Vordergrund. Immerhin soll – nach dem Willen der Initiatoren – der Deutsche Tanzpreis »Zukunft« den Preisträgern zu nationaler und internationaler Anerkennung verhelfen und ihnen den Weg zu einer großen Karriere ebnen.
Doch die Biographien aller drei Preisträger belegen, dass sie den ersten Teil dieses Weges bereits erfolgreich beschritten haben und ihre Auszeichnung zugleich eine Anerkennung für die Zukunftsfähigkeit des Tanzes in Deutschland ist.
Der Verein zur Förderung der Tanzkunst in Deutschland hat in den letzten Jahren Preisträger aus der ganzen Welt ausgezeichnet, die hier in Deutschland ihre künstlerische Heimat gefunden haben. Die Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland sind phantastisch, schwärmt Terence Kohler, der in seiner Heimat Australien kaum eine von der öffentlichen Hand unterhaltene Ballettcompagnie kennt. Gerade weil die öffentliche Förderung mit einigen Abstrichen in Deutschland noch funktioniert und Orientierungspunkte im eigenen Land braucht, ist es aber auch wichtig, dass Deutschland der eigene Nachwuchs nicht abhanden kommt.
Jedenfalls freue ich mich, dass unter den drei Preisträgern des heutigen Abends mit Katja Wünsche und Marian Walter zwei fast waschechte Berliner sind, die allen Unkenrufen zum Trotz beweisen, dass uns die Talente noch nicht ausgegangen sind.
[...]
Marian Walter
ist an der Staatlichen Ballettschule Berlin Schulkamerad von Katja Wünsche gewesen, eine Klasse tiefer. Und so ganz anders als sie. Sie war der große Star der Schule, sagt er bescheiden. Auch er hat von der guten Ballettausbildung in jungen Jahren profitiert. In Berlin habe er bereits unter Martin Puttke in einer Schulaufführung getanzt, berichtet er. Seine Familie, die heute ebenfalls hier in Essen mit dabei ist, kommt aus dem künstlerischen Bereich und freut sich über die Erfolge des Sohnes, der eher unkonventionell den steinigen Weg zum Solisten im Berliner Staatsballett erklommen hat.
Marian Walter hat Berlin die Treue gehalten. Mit einer kurzen Unterbrechung von zwei Jahren, als er nach seiner Ausbildung im Bayerischen Staatsballett eine erste Anstellung fand, war er immer in Berlin. Das Staatsballett Berlin hat ihn geprägt. Es ist seine künstlerische Heimat und familiärer Mittelpunkt zugleich. Heute Abend hat er zusammen mit seiner Frau Iana Salenko, die ebenfalls Solistin am Staatsballett ist, den Grand Pas de Deux aus »La Esmeralda« getanzt. Ballett in vollendeter Perfektion. Trotzdem ein Wehmutstropfen, denn Marian Walter hatte sich den Fuß verstaucht und ihm war gar nicht wohl dabei, seine beiden Auftritte so kurz hintereinander zu haben.
Marian Walter führt eine Künstlerehe und ist glücklich. Seine Frau versteht ihn und er sie, wenn sie wieder lange trainieren mussten und eigentlich für gar nichts anderes Zeit hatten. Beide tanzen leidenschaftlich gern miteinander und sind das jugendlich-romantischste und fedrig-leichteste Paar, das man seit langem gesehen hat, bezaubernd und mit magnetischer Wirkung auf das Publikum, beschreibt Elisabeth Nehring ihre Eindrücke.
Was Marian Walter sich wünscht: Die Chance zu haben, nicht nur technisch ausgereiftes, sondern auch ausdruckstarkes, emotional anrührendes Ballett zu tanzen. Romeo und Julia, wie Katja eben, aber mit seiner Frau. Das sind die Träume von Marian Walter für die nächste Zeit.
Chancen kann man nicht erzwingen. Aus seiner Sicht ist vieles schicksalhaft vorbestimmt. Auch hier sind Katja Wünsche und er grundverschieden. Berlin oder Stuttgart – mehr Chancen für junge Tänzer hier oder dort? Das Publikum in Stuttgart ist anders, risikofreudiger. Die Berliner lieben das klassische Repertoire, was frech oder unbekannt daher kommt, verkauft sich eher schlecht. Das prägt auch die Möglichkeiten des Tänzers, meint Marian Walter.
Alles hat seinen Preis und für die Chance, gemeinsam mit seiner Frau in einer Compagnie zu arbeiten, würde er auf vieles andere verzichten. Seine Karriere strategisch zu planen, ist ihm eher fremd.
Marian Walter, dieser exzellente Tänzer, der sich ein bißchen mehr Zeit als andere lassen will und auf den ersten Blick seinen Ehrgeiz gebändigt hat, ist dankbar für die Förderung, die ihm Ballettintendant Vladimir Malakhov bislang zu teil werden ließ. Marian Walter hat bereits zahlreiche Titelpartien und berühmte Pas de Deux’ getanzt. Mit Iana Solenko konnte ihn das Berliner Publikum in den Hauptrollen des Weihnachtsklassikers »Der Nussknacker« erleben. »Meine Frau ist mit einer Größe von 1,58 meine ideale Partnerin«, sagt er strahlend. Auch die schönste Kunst der Welt hat ihre praktische Seiten.
Wie geht es weiter? In einer Compagnie von 90 Tänzerinnen und Tänzern hat Marian Walter die Chance, seine Potentiale weiter zu entwickeln, die Partien zu finden, die ihm auf den Leib geschrieben sind. Nicht nur die gefälligen Pas de deux, nicht nur die Weihnachtsklassiker, die den Häusern gute Einspielergebnisse sichern.
Marian Walter war seit 2004 bereits in drei internationalen Ballettwettbewerben erfolgreich.
Der Deutsche Tanzpreis »Zukunft« ist eine Auszeichnung, mit der er nun weiter punkten wird.
Marian Walter: Herzlichen Glückwunsch zum Deutschen Tanzpreis »Zukunft« 2007.
Die Laudatorin Dr. Iris-Jana Magdowski
Sie wurde in Gelsenkirchen im Ruhrgebiet geboren. Als Jugendliche galt ihre große Leidenschaft dem Ballett – bis zur aktiven Teilnahme am täglichen Training des Gelsenkirchener Ballettensembles. Hier lernte sie jedoch auch bald ihre tänzerischen Grenzen kennen – geblieben aber ist die Faszination für die große Disziplin und Konzentration, die die Grundlagen für die Ausübung des Tänzerberufs bilden. Es folgte das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften sowie der Philosophie. Nach der Promotion 1979 zog es sie in eine Anwaltspraxis nach Südafrika.
Im Alter von 32 Jahren wurde durch die Berufung zur Kulturdezernentin nach Bielefeld die Kultur wieder zum Lebensmittelpunkt. Es folgten die Jahre als Kulturdezernentin in Duisburg (1992–1997) unter dem großen Freund der Künste und des Tanzes Oberbürgermeister Josef Krings, wo ihr auch 1997 für besondere Verdienste der »Goldene Stadtring« verliehen wurde. 1997 führte sie der Weg für acht Jahre als Kulturbürgermeisterin nach Stuttgart, wo sie – weiterhin also große Förderin des Tanzes – u.a. Mitglied im Kuratorium der damals gegründeten Tanzstiftung Birgit Keil wurde.
Weitere Tätigkeiten waren: Stellvertretende Vorsitzende des Tarifausschusses des Deutschen Bühnenvereins – Fachbotschafterin für die Bewerbung des Ruhrgebiets zur Kulturhauptstadt 2010 – Vorstandsmitglied der »Schiller-Stiftung 1859« – Lehraufträge, u.a. für Kulturmanagement, an den Universitäten Bukarest, Münster, Speyer – Gastprofessorin auf Lebenszeit an der Technischen Universität Wuhan/China.
ZURÜCK 
|