Deutscher Tanzpreis »Zukunft« 2005

Polina Semionova

Porträt Polina Semionovawurde 1984 in Moskau geboren, wo sie von 1994 bis 2002 ihre Ballettausbildung an der berühmten Bolschoi-Ballettschule absolvierte, die sie mit Auszeichnung abschloss. 2002 engagierte Vladimir Malakhov die damals erst achtzehnjährige Tänzerin direkt von der Ballettschule als Erste Solistin für das Ballett der Staatsoper Unter den Linden in Berlin, seit der Spielzeit 2004/2005 gehört sie als Erste Solotänzerin zum neu gegründeten Ensemble des Staatsballetts Berlin. Bei einigen der weltweit wichtigsten Ballettwettbewerbe hat Polina Semionova Preise gewonnen: Sie erhielt 2001 die Goldmedaille beim Internationalen Ballettwettbewerb in Moskau, 2002 den Junioren-Preis beim Internationalen Ballettwettbewerb in Nagoya/Japan und im selben Jahr gewann sie den ersten Preis beim renommierten Waganowa-Wettbewerb in Sankt Petersburg.
Polina Semionova tanzte bereits die großen Rollen des klassischen Balletts: Marie in Der Nussknacker, Prinzessin Aurora in Dornröschen, Nikia in Die Bajadere sowie Odette/Odile in Schwanensee. In folgenden Werken der klassischen Moderne war sie zu sehen: als Tatjana in Crankos Onegin und in Georges Balanchines Ballett Imperial. Zu ihrem modernen Ballettrepertoire gehören: Uwe Scholz‘ Ballettabend Ein Lindentraum..., Christian Spucks Choreographie this, die Rolle der Sieglinde und der Brünnhilde in Maurice Béjarts Ring um den Ring und Jirí-Kyliáns Rückkehr ins fremde Land. Vladimir Malakhov hat außerdem die Titelrolle in Cinderella für sie neu choreographiert.
Polina Semionova wurde bereits zu zahlreichen Gastauftritten im In- und Ausland eingeladen: an die Bayerische Staatsoper München, zum Festival „Basel tanzt“ und zu Ballett-Galas in Monte Carlo, Hamburg (John-Neumeier-Gala), Paris (Gala des Étoiles du XXIe siècle), Moskau, Griechenland und Japan (Malakhov & Friends). In Japan tanzte sie 2003 außerdem die Prinzessin Aurora in Dornröschen an der Seite von Vladimir Malakhov und 2004 die Marie in Nussknacker. Im Juni 2004 folgte sie einer Einladung des English National Ballet nach London, wo sie vor 4000 begeisterten Zuschauern in der Royal Albert Hall ihr Debüt als Odette/Odile in Schwanensee gab. Polina Semionovas Partner sind zum Beispiel Roberto Bolle, Vladimir Malakhov und Artem Shpilevsky. In Deutschland kennt man die Ballerina außerdem als Tänzerin in Herbert Grönemeyers Musik-Video „Demo (Letzter Tag)“.


Text der Ehrenurkunde

Der Deutsche Tanzpreis »Zukunft« 2006 wird der Tänzerin Polina Semionova verliehen für ihre eindrucksvolle Blitzkarriere als führende Ballerina des Staatsballetts Berlin. Makellose Technik, traumhafte Souveränität, eindrucksvolle Interpretationen ihrer Rollen – das Potential einer großen Ballerina.


Laudation von Prof. Dr. Norbert Lammert

Polina Semionova gilt als absolutes Ausnahmetalent, eine herausragende Begabung, deren technische Perfektion, Musikalität und Ausdruckskraft das breite Publikum wie die ausgewiesenen Ballettexperten in gleicher Weise beeindrucken. Fast alle Klischees eines vermeintlich hochgezüchteten Wunderkindes treffen auf sie zu – einschließlich der grandiosen Fehleinschätzung ihrer ersten Lehrer an der Bolschoi Ballettschule, sie sei für das Ballett nicht begabt, jedenfalls nicht gut genug. Polina Semionova hat diese Einschätzung weder als Beleidigung noch als unwiderrufliches Schicksal hingenommen, sondern als Herausforderung empfunden: »Es war sehr, sehr hart für mich … Gott hat mir keinen guten Ballettkörper gegeben, es war unendlich schwere Arbeit, diesen Körper zu verwandeln«. Wer sie heute gesehen und einmal mehr bejubelt hat, wird wie ich darüber grübeln, was man sich unter einem guten Ballettkörper vorzustellen habe…
Als sie von Vladimir Malakhov direkt von der Moskauer Ballettschule im Sommer 2002 an seine neue Berliner Ballettcompagnie – und gleich als Erste Solistin – verpflichtet wurde, war sie gerade mal 18 Jahre alt, fremd in einem neuen Land, weder der englischen noch der deutschen Sprache mächtig, aber schon damals eine fast perfekte Tänzerin. »Ich glaube nicht an mein Talent, dazu habe ich mir alles viel zu hart erarbeiten müssen«, sagt sie von sich selbst. Das Talent sieht man, die Arbeit sieht man nicht – aber ohne Arbeit läge das Talent brach.
Nach der Goldmedaille beim internationalen Ballettwettbewerb in Moskau 2001, dem Juniorenpreis beim internationalen Ballettbewerb im japanischen Nagoya 2002 und dem Ersten Preis beim renommierten Waganowa-Wettbewerb in St. Petersburg im gleichen Jahr erhält sie heute den Deutschen Tanzpreis »Zukunft« 2005 mit allen guten Wünschen und hohen Erwartungen auf eine große Karriere.

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